Dienstag, 3. März 2009

Interpellation von Jonas Fricker, Baden, vom 3. März 2009 betreffend Personalsituation und Führungsqualität in den Psychiatrischen Diensten Aargau

Text und Begründung:

In den letzten Jahren haben mehrere wichtige qualifizierte Ärzte (Etzensberger, Unger, Baumann, Fromm) und ein langjähriger Verwaltungsdirektor (Hug) die PDAG z. T. aus nicht durchschaubaren Gründen verlassen. H. Scheidegger, der bei den Fachleuten äusserst angesehen war, wurde aus dem Verwaltungsrat abgewählt, und E. Griesshammer gab den Austritt. Wichtiges Know-how ging dabei verloren.
Am 19.02.2009 hat nun auch noch der Chefarzt H. Meng, Leiter des Kinder- und Jugendpsy-chiatrischen Dienstes, die PDAG verlassen, worauf auch seine Stellvertreterin, Frau Dr. Z. Hausherr, auf Ende August gekündigt hat. In einer Medienmitteilung schreibt die PDAG „Die Trennung erfolgt aufgrund unterschiedlicher Auffassung bezüglich Führung des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes. Über die Details wurde Stillschweigen vereinbart.“
Dies tut der Klinik und ihrem Ruf gar nicht gut.
In der klinischen Psychiatrie gibt es ohnehin ein grosses Nachwuchsproblem. Fehlende Ärzte und Ärztinnen werden aus dem Ausland ersetzt und auch dies nur unter erheblichem Aufwand. Das Abwandern qualifizierter Leute führt zur Gefährdung der Ausbildung der Assistenzärzte und Assistenzärztinnen in Königsfelden und es wird immer schwieriger, Studienabgänger/innen zu finden, für welche die Klinik ausreichend attraktiv ist.
Psychiatrie ist Arbeit an Menschen durch Menschen, nicht automatisierbar, nicht nach industriellen Methoden rationalisierbar. Deshalb ist der Personalschlüssel für Kapazität, Qualität und Erfolg von grosser Bedeutung - Einsparungen bei ärztlichem und pflegerischem Personal ohne klare, realistische Konzepte und flankierende Massnahmen gefährden die psychiatrische Versorgung und ganz konkret die Patientinnen und Patienten, die zu den Schwächsten unserer Gesellschaft gehören.
Es besteht die Tendenz wieder auf eine Verwahrungs- und Verwaltungspsychiatrie zu driften, wie wir sie aus früheren Jahrhunderten kennen.

Ich bitte den Regierungsrat um die Beantwortung und Klärung der folgenden Fragen:

1. Wie kann die psychiatrische Versorgung des Kantons (Auftrag der PDAG) garantiert werden, wenn Know-how und wichtiges Personal abwandern? Ist der Regierungsrat der Meinung, dass die PDAG ihren Leistungsauftrag optimal erfüllt?

2. Welche Möglichkeiten der Einflussnahme auf die PDAG hat das DGS zur Qualitätssicherung der Auftragserfüllung und werden diese aktiv genutzt?

3. Wurde der PDAG in den letzten Jahren genügend Mittel zugestanden, um eine moderne Psychiatrie anzubieten?

4. Was waren die Gründe für die Abwanderung folgender wichtiger Persönlichkeiten aus den PDAG: qualifiziertes ärztliches Personal (Etzensberger, Unger, Baumann, Fromm, Meng und Hausherr) und langjähriger Verwaltungsdirektor (Hug)? Gibt es eine gemeinsame Ursache? Und wenn ja, welche?

5. Was gedenkt das DGS gegen die Abwanderung von qualifiziertem ärztlichen Personal aus den PDAG zu unternehmen?

6. Stimmt es, dass leitende Mitarbeitende der PDAG, freigestellt wurden und längere Zeit noch Lohn beziehen?

7. Wie beurteilt der Regierungsrat in diesem Zusammenhang die Kompetenz und die Leis-tung des CEO?

8. Wie beurteilt der Regierungsrat die Zusammensetzung, die Kompetenz und die Effizienz des Verwaltungsrates der PDAG?

9. Sind die Schwierigkeiten der PDAG auf Mängel in der obersten Führung (Verwaltungsrat) zurückzuführen? Hat der Verwaltungsrat seine Aufsichtspflicht genügend wahrgenommen?

10. Ist der Verwaltungsrat ausreichend dotiert mit Fachkräften, welche die psychiatrische Landschaft des Kantons Aargau kennen und konstruktiv mitgestalten können? Beabsichtigt der Regierungsrat den Verwaltungsrat personell zu belassen oder braucht es allenfalls personelle Anpassungen?

11. Warum wurde H. Scheidegger abgewählt und warum gab E. Griesshammer den Austritt? Gibt es eine gemeinsame Ursache? Wenn ja, welche? Gibt es eine inhaltliche Verbindung zu den personellen Veränderungen, die in der Frage 1 beschrieben sind?

12. Wie kann die Attraktivität der PDAG als Ausbildungsstätte erhöht werden, damit der notwendige Nachwuchs an ärztlichem und Pflegepersonal generiert werden kann?

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